„Ein Leben ohne Törtchen ist möglich, aber sinnlos.“ Mit diesem Motto lockt die Törtchenmanufaktur in der Saarstraße die Kunden in die ehemalige Engel-Apotheke.  Innen wird man nicht enttäuscht. Die alte, historische Einrichtung der Apotheke von 1890 hebt sich sofort von anderen Kuchenläden ab und verströmt eine besondere Atmosphäre. Doch gibt es hier etwa Törtchen auf Rezept? Naja, so ähnlich – wo früher Medikamente über den Ladentisch gereicht wurden, bekommt man seit Februar dieses Jahres kleine Törtchen. In zwei Kühltheken warten dienstags bis sonntags bis zu 40 Törtchensorten darauf, ausgesucht und verspeist zu werden.

Begrüßt wird man freundlich und gut gelaunt von Elke Oppermann (52) aus Aach. Die ehemalige Bürokauffrau steht zu 100 Prozent hinter dem Konzept der Törtchenmanufaktur und berät die Kunden seit Mai, wenn sie sich nicht für eines der vielen Törtchen entscheiden können.

„Brownie Cheesecake und die Moselwelle sind bei Kindern sehr beliebt“ berät sie einen Kunden, der für die Einschulung seiner Kinder nach etwas süßem sucht. Jeder findet hier das passende Törtchen für sich und seine Liebsten. Fröhlich erzählt sie, dass man mit Törtchen den Kunden ein Lächeln auf ihr Gesicht zaubern kann.

Ich, als Käsekuchenliebhaberin, probiere das Brownie-Cheesecake Törtchen. Der Brownieteig schmeckt wunderbar schokoladig und saftig, der Käsekuchenteil hat eine perfekte Konsistenz. Man schmeckt, dass das Törtchen  hausgemacht ist. Es hebt sich deutlich von diversen Fertigkuchen ab. Und: Nach einem Törtchen bin ich für´s Erste satt. Die Portion ist nicht zu klein bemessen – eben ein richtiges Törtchen. Mit einer Preisspanne von 2,55 bis 5,50 pro Törtchen sind die Leckerbissen nicht zu teuer. Hier weiß man, was man bekommt und wo es herkommt! Die Törtchenmanufaktur legt viel Wert darauf, ihre Törtchen so natürlich wie nur möglich herzustellen. Die Inhaber wollen sich von den vielen Fertigkuchen abheben, was ihnen durchaus gut gelungen ist.

Auch zahlreiche Stammkunden und regionale Prominente können sich nicht irren. Wolfram Leibe, Ortsbürgermeister von Trier, Thomas Kiessling, Opernsänger aus Trier, und Helmut Leyendecker, Musiker, Schauspieler und ebenfalls ein Trierer Original, kämen regelmäßig, um sich ein oder auch mehrere Leckereien zu gönnen.

Ob Geburtstag, Einschulung oder auch Hochzeit, neben den kleinen Törtchen für jeden Anlass nimmt die Törtchenmanufaktur auch Bestellungen von Kunden auf. Dreistöckige Hochzeitstorten, Geburtstagstorten, Torten zur Taufe oder für ein Jubiläum. Liebevoll in Aach hergestellt, werden die großen Torten mit dem Törtchen-Lieferwagen „Emma“ an die Kunden geliefert. Kleinere Torten kann man in Trier selbst abholen. Zusätzlich bietet die Törtchenmanufaktur neben Geschenkgutscheinen noch weitere selbst hergestellte Produkte an. Taschen, Französische Baguettes, Dinkel- und Walnussbrote oder Marmelade sind ebenfalls zu finden, wie kleine Spardosen oder Kerzen in Törtchenoptik oder Schmuck. In der Zukunft ist auch ein kleines Café geplant.

In der Hauptzentrale in Aach, wo Christian Fritzen (43), Inhaber der Törtchenmanufaktur, ein Landhotel und ein Café betreibt, werden seit 2007 Törtchen und Torten hergestellt. In Trier einen Laden zu eröffnen, sei überhaupt nicht sein Plan gewesen. Bis ihm die alte Apotheke angeboten wurde, die in sein Konzept passte und die er als „traumhaft schön“ bezeichnet. Die Vergangenheit lebt bei ihm wieder auf und genießt einen besonderen Stellenwert.

Fritzen stellt mit seinem zweiköpfigen Konditorenteam bis zu 3500 Törtchen in der Woche her. Das Schöne am Törtchenbacken sei, dass man kreativ arbeiten könne, wie Fritzen sagt. Neben den Klassikern wie dem Frankfurter Minikranz  oder der Holländer Kirsch, die noch „wie bei Oma schmecken“ sollen, wie Kunden berichten, Käseküchlein und dem Apfelriesling Törtchen, verarbeitet das Konditorenteam auch aktuelle Trends zu einem Törtchentraum. Die Einhorntörtchen zum Beispiel sind sehr beliebt und schnell vergriffen. Die Törtchenmanufaktur freut sich über ihre vielen Kunden. Ihr Erfolg begann schon an ihrem Eröffnungstag. Nach drei Stunden, wie Fritzen erzählt, waren alle Törtchen ausverkauft.

Das Konditorenteam arbeitet stets an neuen Rezepturen. Da werden auch schon mal alte Rezeptbücher in Altdeutscher Schrift aus dem Antiquariat gewälzt oder das Team kommt per Zufallsexperiment zu Ergebnissen, die sich gut sehen und schmecken lassen. Vegane Törtchen sucht man bei ihnen aber bisher noch vergeblich. Diverse Rezepte wurden schon probiert, doch dem Standard der Manufaktur konnten sie nicht gerecht werden. Wenn Fritzen jedoch einmal ein veganes Rezept bekommt, das schmeckt, werde er auch vegane Törtchen anbieten, verspricht er.

Von Melanie Schneider