Raus aus dem Rotlichtmilieu: Aus dem Tanz an der Stange ist ein richtiger Sport geworden. Körperkraft, Koordination und Gelenkigkeit werden beim Besuch des ersten Poledance-Studios in Trier trainiert.

Wenn Tessa Aulmann die Stange anfasst und sich hochhebt, sieht es so aus, als ob es keine Schwerkraft mehr gäbe. Sie hievt sich nicht hoch, sie springt nicht, nein, sie ist einfach plötzlich in der Luft. Lächelnd, gerade, anmutig. Keine Mühe ist zu sehen, keine Anstrengung.

„Wenn ich aber die Stange anfasse und mich hochziehe, sind meine Lippen gepresst, meine Füße irgendwann nicht mehr gestreckt und ich sehe sehr angestrengt aus. Doch das ist normal“, versichert mir Tessa. „Als ich meine erste Stunde Poledance hatte, klappte absolut nichts und am Tag danach hatte ich Schmerzen überall“, sagt sie. Das war vor anderthalb Jahren. Nun leitet die 26-Jährige die erste Poledance-Schule in Trier.

Für alle Anfänger bietet sie zuerst einen Schnupper-Kurs an: 75 Minuten mit Aufwärmen und Dehnung, eine kleine Choreographie und ein paar Basics um die Stange. Das probiere ich aus. Bevor man sich an die Stange wagt, soll man laufen lernen. „In Poledance sind wir immer auf den Zehenspitzen“, erklärt Tessa. Ein Blick rechts zu ihr, ein Blick zum Spiegel zu mir. Ihre Füße sind schön gestreckt, geschult durch jahrelange Tanz- und Ballettroutine.

Auf Zehenspitzen und mit geradem Rücken schreiten wir um die Stange. Die Füße werden langsam zum Takt der Musik auf dem Boden geschleift. Da fühlt man sich gleich elegant. „Poledance hilft dabei, sich gut im eigenen Körper zu fühlen“, sagt Tessa. „Man fühlt sich schön, selbstbewusster.“

Diese Anmut, die sie ausstrahlt, hat nichts mit Erotik zu tun. Viele denken bei Poledance an Tanzshows im Rotlichtmilieu. Doch Poledance ist auch eine ernst zu nehmende Sportart, die den Körper formt und fit macht. „Natürlich kann man Poledance auch sexy  tanzen, Dafür gibt es spezifische Kurse“, sagt die Trainerin. Andererseits kann Poledance auch sehr akrobatisch und turnähnlich sein: Bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro soll Poledance sogar als Demonstrationssportart an den Start gehen.

Apropos Akrobatik: Es ist Zeit, die erste Drehung zu lernen. Ein Knee-Hook-Frontswing. Rechte Hand ganz oben, linke Hand an die Stange auf der Höhe der Schulter, rechte Kniekehle an die Stange klemmen und im Kreis an der Pole hinuntergleiten. Tessa macht es vor. Zuerst denke ich, dass ich mich nie im Leben so hochziehen kann. Und so lange. Zwei Takte. Doch dann funktioniert es. Klar, es sieht nicht so elegant aus wie bei der Trainerin. Irgendwie fühle ich mich wie ein Äffchen. Doch wie ein süßes, das lernt zu klettern. „Mit der richtigen Technik klappen die Bewegungen“, sagt Tessa.

Poledance erfordert und fördert Körperkraft, Koordination und Gelenkigkeit. Die Trainerin sagt, dass sie selbst ganz wenig Kraft in den Armen hatte, doch mit Übung sieht man ziemlich schnell Fortschritte. Damals nach ihrer ersten Stunde ließ sie sich nicht entmutigen, im Gegenteil. Motivierter denn je, kaufte sie sich eine Stange für das Üben zu Hause. „Ich wurde süchtig, ich habe gleich dieses Gefühl geliebt, an der Stange zu fliegen“, erzählt sie. Sie verliebte sich so sehr in diesen Sport, dass sie eine Ausbildung als Poledance-Trainerin in Hamburg absolvierte, um ihr Studio zu eröffnen. „Jeden Tag habe ich geübt und dann konnte ich Figuren machen, die ich mir nie zugetraut hatte.“ Wie die Figur „Aysha“: Sie gehört zu den fortgeschrittenen Poledancemoves. Hier kommt es besonders auf die Balance und die Körperspannung an. Tessa zeigt es mir: Sie hält sich fest und macht eine Art Handstand an der Stange. Ihre Beine sind schön gestreckt und gespreizt. Auch kopfüber lächelt sie noch, als ob das die natürlichste Position der Welt wäre.

Wenn man solche akrobatischen Bewegungen sieht, kommt man schnell auf den Gedanken, vielleicht zu dick für diesen Sport zu sein. Oder zu schwach. „Poledance ist für jede Frau geeignet“, sagt Tessa, „meine Kollegin und ich begleiten die Teilnehmerinnen Schritt für Schritt an die Stange, wir teilen alle dieselbe Leidenschaft und niemand braucht Angst zu haben oder sich zu verstecken.“

Und so habe ich auch keine Angst mehr. Es ist nun Zeit, zum ersten Mal die Stange hochzuklettern. Auch hier geht es um die richtige Technik. Diese erspart einem zwar keine blauen Flecken, doch damit braucht man weniger Kraft. Tessa hilft mir, mich richtig zu positionieren und es geht hoch hinaus. Etwas, das ich in der Schule nie geschafft hatte. Ich bin da oben, ich kann auch noch ein Stückchen weiter hochklettern und ich drehe mich. Ein schönes Gefühl, fast schwerelos zu sein.

Barbara Cunietti

 

Infos:

Der Schnupper-Kurs, um Poledance kennenzulernen, kostet 15 Euro und dauert, wie jede Poledance-Stunde, 75 Minuten.

Karten: Wer sich für Poledance entschieden hat, kann Karten für vier, acht oder zwölf Unterrichtsstunden kaufen.  Wer noch keine Erfahrung hat, kann beim Level 1 mitmachen. Für diejenigen, die schon einige Moves können, gibt es den Level2-Kurs. Zudem gibt es die Möglichkeit, die Räume für freies Training zu nutzen, dazu kann man ein Freies-Training-Ticket für 90 Minuten kaufen.

Weitere Infos unter www.poledancetrier.de

Gratianstraße 11-15, 54294 Trier

TEL   0651 15 042 710

E-MAIL   kontakt@poledancetrier.de