Meine Freunde schaufeln sich ihre Steaks in den Mund. Mein Salat ertrinkt im Dressing. Lustlos nage ich an einem Stück halb-gefrorener Tomate. Auswärts essen macht als Vegetarier nicht immer Spaß. Der Blick auf die Speisekarte bringt oft Enttäuschung. Im Zweifelsfall gibt’s immer noch Spaghetti mit Tomatensoße. Da hab ich aber auch nicht jeden Tag Bock drauf.

Aber so muss es ja auch nicht sein. Trier hat für „Pflanzenfresser“ einiges zu bieten. Burger aus Bohnen, Halloumi im Döner, Kartoffelschnitzel – Beim Schreiben bekomm‘ ich schon Hunger. Im Veggie-Guide nehme ich für euch Restaurants und Imbisse unter die Lupe und werfe einen Blick auf das Grünzeug.

IMG_3020Für den ersten Teil habe ich mir das Chibi-Ya ausgesucht. Ein japanisches Schnellrestaurant in der Glockenstraße 13 (auf dem Weg von der Porta bis zum Hauptmarkt läuft man fast dran vorbei). Erste Überraschung beim Betreten des Ladens: Das Chibi-Ya ist spezialisiert auf Currys. Sushi sucht man auf der Speisekarte vergeblich. Die japanische Küche hat aber auch mehr zu bieten als rohen Fisch.

Die zweite ÜbIMG_3022erraschung: Bestellt wird nicht an der Theke, sondern an einem Automaten. Man klickt sich per Touchscreen durch die Gerichte. Davon sollte man sich aber nicht abschrecken lassen. Die Bedienung des Gerätes geht so schnell und unkompliziert wie das Bestellen im Online-Store. Aber natürlich dauert es keine Woche bis man sein Essen bekommt.

Es gibt eine Reihe von Fleischgerichten und zwei Gemüsecurrys, eines davon vegan. Ich entscheide mich für das scharfe Reisgericht mit Kartoffeln und Karotten. Für den Durst nehme ich einen Erdbeer Calpis, eine Milchlimonade. Der pinke Softdrink schmeckt ein bisschen nach Ahoijbrause – nicht unbedingt mein Ding. Aber das Curry war perfekt – genau die richtige Schärfe, das Gemüse nicht verkocht. Und das für kleines Geld. Desserts gibt’s übrigens auch, z.B. rote Bohnen mit Vanilleeis. Da habe ich mich allerdings noch nicht herangetraut.

Satt und zufrieden drehe ich eine Runde durch den Laden und unterhalte mich mit der Eigentümerin Eva. Sie ist 28 und hat Japanologie studiert. Im Auslandsjahr hat sie sich einiges von der japanischen Kultur und Küche abgeschaut. Als sie zurück warIMG_3028, hat sie dann ihren eigenen Imbiss eröffnet. Den kleinen Laden (genau das heißt Chibi-Ya übersetzt) hat sie mit viel Liebe eingerichtet – an der Wand hängt eine Karte des asiatischen Inselstaates und überall hängen Informationsblätter, auf denen Wissenswertes über Land und Leute steht. Wer alleine isst, muss sich im Chibi-Ya auch nicht langweilen. Im zweiten Stock des Schnellrestaurants lädt ein Regal mit Mangas zum Schmökern ein.

Dann muss ich aber auch wieder los. Eva war so nett alle meine dummen Fragen zu beantworten. Dafür gibt’s dann auch Trinkgeld. Aber wohin damit? Ein Sparschwein sehe ich nirgends, nur eine seltsame Box neben der Kasse. „Die Katze hat Hunger“, sagt ein Typ neben mir. „Leg den Euro drauf.“ Ich mach was er sagt. Die Sekunden verstreichen, es tut sich nichts. Dann schnellt eine Katzenpfote aus der Box und schnappt sich das Trinkgeld, das eigentlich für Eva gedacht war. Ganz schön frech!IMG_3023