Von der Porta bis zur Kaiserstraße, vom Dom bis zur Treviris-Passage: Was die Anzahl der Schuhgeschäfte betrifft, gibt es in der näheren Umgebung wohl keine Alternative zu Trier. Vom Luxusschuh bis zum Ökotreter wird in der Fußgängerzone der ältesten Stadt Deutschlands so ziemlich alles angeboten, was man an den Füßen tragen kann und was Rang und Namen hat. Knapp 30 reine Schuhläden gibt es derzeit in der Fußgängerzone, ein weiterer soll bald eröffnet werden. Kaum ein anderes Oberzentrum mit der Größe Triers bietet mehr Auswahl.

Deshalb kann Schuhe kaufen in Trier auch mal etwas länger dauern … Denn rechnet man die reine Wegstrecke eines Rundkurses mit Start und Ziel Porta Nigra über alle Seitenarme der Fußgängerzone mit 75 Minuten ein, ist ein Gang durch alle Trierer Schuhgeschäfte ein tagfüllendes Programm von mindestens sechs Stunden, je nach Verweildauer in den einzelnen Geschäften; die Abteilungen der Warenhäuser und die Boutiquen, die Schuhe anbieten, sind nicht eingerechnet.

Für manchen Mann ist das der längste Horrorfilm der Welt, für viele Frauen das himmlischste Vergnügen auf Erden.

Auffallend beim Schuhrundgang durch die City: Ein Schuhgeschäft kommt selten allein. Häufig liegen mindestens zwei der Läden in unmittelbarer Nachbarschaft zueinander, meist sind es sogar mehr. Die gefühlte Schuhmeile der Stadt ist dabei die Brotstraße im östlichen Teil der Fußgängerzone. In keiner anderen Trierer Innenstadtstraße gibt es auf so engem Raum so viele Schuhgeschäfte. Und auch für Erste (Schuh-)Hilfe ist gesorgt: Bricht der Absatz auf dem holprigen Kopfsteinpflaster in der Fußgängerzone mal ab oder fällt die Schnalle von der Spitze – kein Problem, in der Trierer Fußgängerzone haben zwei alteingesessene Schuhmachermeister ihre Läden; einmal in der Dietrichstraße im nördlichen Teil der City, zum anderen in der Neustraße in Richtung Süden.

Apropos Neustraße: Dort ist mit dem Schuhhaus Berg eines der ältesten Schuhgeschäfte der Fußgängerzone zu Hause. Seit mehr als 60 Jahren gibt es Schuhe bei Berg, der Betrieb ist in Familienhand. Kleines Schmankerl für Menschen, die im wahrsten Sinne des Wortes auf großem Fuß leben: Dort gibt es Damenschuhe bis Größe 45 und Herrenschuhe bis Größe 50. Wer die Neustraße Richtung Süden verlässt, findet in der Nähe des Stadtbads eine weitere Trierer Schuh-Besonderheit mit Tradition: Seit 1871 stellt die Firma Rendenbach Bio-Leder her, das zu exklusiven Sohlen für maßangefertigte Schuhe verarbeitet und heute bis nach Amerika oder Asien exportiert wird. Sogar Papst Franziskus soll Schuhe mit in Trier gegerbten Sohlen tragen. Ein Handwerk, das immer seltener wird.

Nicht nur Sohlen, sondern auch Schuhe haben in der Region Tradition: In Gusterath, wenige Kilometer von der Stadt entfernt, gründeten Anfang der 1920er Jahre drei Kaufleute das Unternehmen Romika. Romika exportierte unter seinem späteren Besitzer Hellmuth Lemm von Gusterath und seinem späteren Verwaltungssitz Trier seine Hausschuhe, Sportschuhe und Gummistiefel in die ganze Welt. Zeitweise fertigte das Unternehmen 35 000 Schuhe täglich. Heute gehört das Unternehmen zur Josef-Seibel-Gruppe, deren Schuhe derzeit auch in der Neustraße in einem eigenen kleinen Laden verkauft werden.

Wie Romika wurde in den 1920er Jahren auch das Trierer Schuhhaus Poss gegründet, das zurzeit vier Läden betreibt. Im Stammsitz in der Dietrichstraße werden noch heute in Handarbeit Spezialschuhe und Einlagen gefertigt. Wem die Schuhläden in der Innenstadt nicht ausreichen, findet zwischen Matthias- Basilika und Verteilerkreis weitere Geschäfte: Dort ist die Zahl der Trierer Schuhläden auf rund 60 gewachsen, aufgeteilt in etwa 35 reine Schuhläden und 25 Geschäfte mit Schuhen im Randsortiment. Eines der ältesten Schuhgeschäfte der Stadt findet sich ebenfalls hier: Das Schuhhaus Gindorf in der Paulinstraße gibt es seit 1953.

Nur ein Vergleich, um Triers Ruf als Schuhstadt zu untermauern: Saarbrücken, das nächstgelegene Oberzentrum, zählt in der Innenstadt laut Auskunft der IHK etwas weniger Schuhgeschäfte. Dabei hat die saarländische Landeshauptstadt mehr Einwohner (rund 75 000 mehr) und ein größeres Einzugsgebiet als Trier. Wer jetzt denkt, bei all der Tradition und Masse fehlen in Trier moderne und Nischenprodukte, der täuscht sich: Auch die neusten Schuhtrends finden den Weg in die Trierer Schuhgeschäfte. Schließlich gilt es, sich vom Einheitsbrei der großen Konkurrenz abzugrenzen. Derzeit gerade hip: vegane und/oder fair produzierte Schuhe, die ihren herkömmlich produzierten Artikeln in Sachen Schönheit und Funktionalität in nichts nachstehen. Nur ein Beispiel: Nicay in der Brotstraße. Dort gibt es ausschließlich aus pflanzlich gegerbtem Leder (Eco Leather) hergestellte Artikel. In der ersten Etage über der Wäschegalerie Heinemann werden sie verkauft.

FAZIT: Trier ist ein Schuhparadies – für Traditionsbewusste und Trendsetter. Da könnte jede(r) fast schreien vor Glück.

Von Petra Willems

 Dieser Artikel stammt aus dem neuen Shopping-Guide für Trier, den es auch als E-Paper gibt.

(Titelfoto: istockphoto.com/CoffeeAndMilk)